Das Adlerauge

Angefangen hat Hans Gisler mit einem kleinen Vogel, genauer einem Fichtenkreuzschnabel, den er als zehnjähriger Junge aus Holz geschnitzt hat. Das Erstlingswerk des Künstlers war diesen Frühling in der Ausstellung Kunst – Zeit – Raum in seiner alten Heimat Riemenstalden zu sehen. Weitere Vögel kamen während der Jugendzeit, wie auch während der Lehre als Schreiner hinzu. Das Thema Freiheit prägt Hans Gisler und sein Schaffen seit der Jugend. Das Gefühl von Freisein verspürt er vor allem in den Bergen und drückt es in seinen Skulpturen von Adlern, Falken oder Bergdohlen aus. Der König der Lüfte inspirierte den gelernten Holzbildhauer bereits mehrfach zu Kunstwerken in dessen natürlicher Umgebung: Oberhalb der Salbithütte in der Göscheneralp oder unter dem Kaiserstock im Lidernengebiet können seine Adler in der wilden Bergwelt bewundert werden. Im Gebirge finden sich auch Kletterfiguren wie «Pedro a der Kantä»: Sie alle stehen an besonders passenden Orten unweit von erstbegangenen Kletterrouten des Künstlers. Im Felsen kreativ seinen eigenen Weg zu finden, fasziniert Hans Gisler genauso, wie neue Herausforderungen als Bildhauer anzugehen.
Unikate in Form und Material
Vor über 30 Jahren wagte Hans Gisler den Schritt, seine grösste Leidenschaft zum Beruf zu machen. Seither erschuf er als selbstständiger Kunstschaffender Skulpturen aus Holz, Bronze oder Natursteinen sowie einige aus Schnee. Neben eigenen Projekten setzt der passionierte Bergsportler kunstvolle Objekte für seine Kundschaft um: Holzbrettli mit Gravur, Reliefs in verschiedenen Grössen oder gedrechselte Dekoschalen und Hohlgefässe sind nur einige der Möglichkeiten, die Hans Gisler auf Wunsch realisiert. Damit man sich das Resultat im Voraus besser vorstellen kann, fertigt er eine Zeichnung oder sogar ein kleines Modell an. Was die Werke des Bildhauers auszeichnen, sind ihre abstrahierte Umsetzung. Durch das bewusste Weglassen von Details – im Falle des Adlers etwa Federn oder Augen – kommt das verwendete Material besonders gut zur Geltung. Wird mit Stammholz gearbeitet, wirkt sich die Form eines Baumes massgeblich auf die jeweilige Skulptur aus und bestimmt, wie gross ein Adler wird, wie er fliegt und wohin er schaut. Im Laufe seines langjährigen Schaffens akzentuierten sich die Formen des Lieblingssujets. Seine Gabe, auf Materialbesonderheiten einzugehen, machen die Arbeiten von Hans Gisler einzigartig. Von seinen wertvollen Unikaten dürfen sich interessierte Personen bei einem Besuch im Ausstellungsraum und im Atelier des Künstlers überraschen lassen.
3 Fragen an Hans Gisler
Was macht die Bildhauerei mit Ihnen?
Sie ist Ausdruck eines künstlerischen Tatendrangs, der tief aus meinem Inneren kommt. Es ist ein zutiefst befriedigendes Gefühl, mit meinen Werken Freude zu verbreiten. Und ich bin dankbar, von meinem Handwerk leben zu können.
Auf welches Kunstwerk dürfen wir uns 2025 freuen?
Ich kreiere im Gebiet Klausenpass einen fliegenden und einen sitzenden Adler unter freiem Himmel.
Welche Visionen wollen Sie noch verwirklichen?
Die Urner Hymne «Zoogä am Boogä» wird nächstens 100 Jahre alt. Zu diesem Jubiläum habe ich ein Modell entworfen. Dieses im öffentlichen Raum als grosses Objekt
in die Tat umzusetzen, ist ein Traum von mir. Zudem habe ich einige Erstbegehungen an mehr oder weniger bekannten Felswänden vor.