Richtig bewirtschaftet, statt bloss entsorgt

Aufgewachsen in Gurtnellen, hat Edi Schilter als Kind miterlebt, wie die Haushaltabfälle aus dem Dorf einfach in die Reuss gekippt wurden. Diese Praxis war damals überall in Uri üblich – doch selbstverständlich war diese Art der Entsorgung umweltschädlich. Noch ahnte der Junge Edi nicht, wie sich die Zeiten ändern und welchen Erfolg er Jahrzehnte später als Geschäftsführer der Zentralen Organisation für Abfallbewirtschaftung im Kanton Uri (ZAKU) mit «Güsel» erreichen darf. Kurz vor seiner Pensionierung hat er zur Optimierung der Logistik und der Aufbereitung von Schlacke zwei wichtige Projekte mitinitiiert und umgesetzt.
Auf dem Weg zu einer schweizweit führenden Deponie
Die ZAKU betreibt gemeinsam mit sieben Zentralschweizer Abfallverbänden eine Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) im luzernischen Perlen. Dorthin wird der gesamte Urner Haushaltabfall gebracht und bei rund 1000 Grad im Ofen verbrannt. Übrig bleibt Schlacke aus Asche und nicht brennbaren Materialien. Während dieses Vorgangs produziert die KVA unter anderem Strom und Fernwärme, die der benachbarten Papierfabrik, der Agglomeration Luzern und der ZAKU-Kundschaft zugutekommt. Die Rückstände werden mit Elektrolastwagen nach Attinghausen zurück transportiert und dort auf dem ZAKU-Areal fachmännisch weiterverarbeitet. Die Aufbereitungsanlage trennt die Metalle vom restlichen Anteil und bringt sie mit dem Förderband auf die Deponie zum Einbau. Insgesamt werden in der Eielen jährlich rund 90 000 Tonnen Schlacke aus verschiedenen KVA eingebaut.
Mit der zunehmenden Einbauhöhe ist ab 2025 die direkte Zufahrt der Lastwagen zur Entladung der Schlacke wegen der vorhandenen Steigungen nicht mehr möglich. Aufgrund dieser Ausgangslage wurden vor Kurzem verschiedene bauliche Massnahmen zur Optimierung der Logistik umgesetzt. Dazu gehören eine ganzjährige Zufahrt ausserhalb der Deponie für die 4000 LKW-Fahrten, ein Lagerplatz mit Kippstelle, vier Boxen für nicht entschrottete Schlacke sowie der Umbau der Aufbereitungsanlage. Dank der sorgfältig realisierten Verbesserungen kann davon ausgegangen werden, dass bis 2050 die anfallenden Kehrichtschlacken auf der Deponie Eielen abgelagert werden können.
Bereits seit 2003 betreibt und unterhält die ZAKU auf ihrem Betriebsareal eine Anlage zur Metallabscheidung. Diese trennt Eisen- und Nichteisenmetalle aus der angelieferten Schlacke. So schreibt es das Gesetz vor der Ablagerung auf der Deponie vor. Dieses Jahr wurde die Anlage im grösseren Stil umgebaut, um sie dem aktuellsten Stand der Technik anzupassen. Die optimierte Schlackenbehandlungsanlage unterbietet nun die gesetzlichen Anforderungen sehr deutlich und kann für mindestens die kommenden 15 Jahren in dieser Konfiguration betrieben werden. Die moderne Aufbereitungsanlage sowie die neu lancierte Betriebslogistik kosten die ZAKU 6,5 Millionen Franken, die aus Eigenmitteln finanziert wurden. Grösstenteils konnten die Arbeiten der zukunftsgerichteten Investitionen von Urner Unternehmen ausgeführt werden.
Wichtige personelle Veränderungen
Elf festangestellte Mitarbeitende zählt das ZAKU-Team. Der technische Leiter, Markus Arnold, trat diesen Sommer nach 27 Jahren in den Ruhestand. Mit Lukas Schuler konnte die Stelle durch einen internen Mitarbeiter wiederbesetzt werden, der bereits seit fünf Jahren für den Betrieb tätig ist. Eine noch grössere personelle Rochade steht in Attinghausen kurz bevor: Auf Neujahr übernimmt Thomas Gisler aus Bürglen die Geschäftsführung von Edi Schilter, der sich nach zehn Jahren in dieser Position 2025 in die Pension verabschiedet. Der Ingenieur ist auch heute noch fasziniert, wieviel wertvolles Metall in seinem Betrieb aus der Schlacke gezogen wird. Deshalb assoziiert Edi Schilter mit Müll nicht unangenehme Gerüche oder Staub, sondern ein vielfältiges Metier. Es hat sich seit der um 1960 noch üblichen Abfallentsorgung in die Reuss in grossen Schritten zum digitalisierten Prozess weiterentwickelt.
ZAKU sammelt im Auftrag der Gemeinden
Gemäss kantonalem Umweltgesetz sorgt die ZAKU, die als öffentlich-rechtliche Aktiengesellschaft im Besitz der 19 Urner Gemeinden ist, für die vorschriftsgemässe Entsorgung der Abfälle sämtlicher Urner Haushalte und Gewerbebetriebe. Diese Leistung wird durch die Erhebung verursachergerechter Gebühren finanziert. Neben der wöchentlichen Kehrichtsammlung im ganzen Kanton nimmt die Firma weitere Abfälle entgegen: Sperrgut, Gartenabfälle, Neophyten, Speiseabfälle, Altpapier, Karton, Altglas, Aluminium, Öl, Kunststoff-Abfälle und Giftabfälle werden zum grossen Teil rezykliert. Eine bediente Entsorgungsstelle in der Eielen ergänzt den Bereich Abfallbewirtschaftung, der im Gegensatz zur Schlackendeponie keinen Gewinn abwerfen darf. Mit einer Photovoltaik-Anlage in der Eielen, einer neuen Wärmepumpen-Heizung des Betriebsgebäudes und dem Start der Kehricht- und Schlackentransporte von und aus der Verbrennung mittels elektrisch betriebener Lastwagen leistet die ZAKU einen wertvollen Beitrag zum Schutz des Klimas.
ZAKU leistet wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft
In den 30 Schweizer KVA werden jährlich rund 3 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle verbrannt (BAFU 2022). Daraus verbleiben rund 700 000 Tonnen feste Rückstände als Schlacke. Diese enthält rund 10 Gewichtsprozente verschiedenster Metalle. Nach gesetzlicher Vorgabe sind diese vor der Ablagerung abzuscheiden. Mit der Aufbereitungsanlage der ZAKU wurden 2023 rund 4800 Tonnen Metalle wieder in den Stoffkreislauf gebracht. Mit den jährlich rund 90 000 Tonnen abgelagerten Schlacke auf der Deponie Eielen, leistet die ZAKU mit rund 10 Prozent einen wesentlichen Beitrag zu einer umweltverträglichen Endlagerung der Schlacke in der Schweiz.